Forschungsgemeinschaft Sachsen e.V.




Der Brief des Monats Oktober 2004

POSTVERTRAG ZWISCHEN PREUSSEN UND ENGLAND VOM 1.8.1852

Der zunehmende Postverkehr zwischen den Deutschen Staaten und England machte es erforderlich, den zwischen Preussen und England seit 1.1.1847 bestehenden Postvertrag diesen Verhältnissen anzupassen. Auch die Gründung des DEUTSCH-ÖSTERREICHISCHEN-POSTVEREINS erforderte eine Anpassung des Vertrages mit England unter Berücksichtigung der innerdeutschen Vertragsverhältnisse. Wichtigste Änderung des Vertrages zum 1.8.1852 war eine Portoermäßigung für die gegenseitigen Briefkorrespondenzen. Für einfache Briefe bis ein Loth aus Sachsen nach England verminderte sich das Porto von bisher 1/3 shilling auf 8 pence und das Franko von bisher 12 ½ Ngr. auf 7 Ngr. Briefe aus England nach dem Ausland konnten bereits seit 5 Mai 1840 mit Briefmarken frankiert oder teilfrankiert werden. Aus Sachsen konnten Briefe in das außervereinsländische Ausland erst ab 1. Mai 1856 mit Briefmarken frankiert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war neben der Versendung als Portobrief nur die Barfrankierung zugelassen.

Tarifzeitraum: Barfrankierung in der Zeit vom 1.8.1852 bis 30.6.1856.

1855 – einfacher Brief aus Dresden über Preussen und Belgien nach England bar frankiert mit

Postvereinsanteil = 3 Ngr. = 3,5d
Anteil Belgien = 1 Ngr. = 1d
Anteil England = 3 Ngr. = 3,5d = Gesamtbarfranko 7 Ngr. = 8 pence

 

1856 – Brief vom 8.April 1856, also 22 Tage vor Einführung der Markenfrankierung der Auslandsbriefe in Sachsen, aus Dresden über Preussen und Belgien nach England. Der Brief wurde mit Marken frankiert in den Briefkasten in Dresden eingeworfen. Bei der Bearbeitung der Post wurde dies bemerkt, die Marken mit dem Vermerk „gilt nicht“ für ungültig erklärt und der Brief lief damit als unbezahlter Portobrief nach London. Vom GPO London wurde der Brief dementsprechend als Portobrief mit 8 pence Porto belastet. Der mit Röteltaxe 3 vorgetaxte Postvereinsanteil der Briefgebühr wurde nicht angerechnet.