Forschungsgemeinschaft Sachsen e.V.

Der besondere Beleg

Einfacher gewöhnlicher Portobrief
SACHSEN-DÄNEMARK über HAMBURG

Beförderung:
DRESDEN (Hofpostamt) nach KALLUNDBORG (Kgl. Dänischer Postbezirk) vom 1. X. 1851. Speditionsweg über Preußen und HAMBURG.

Siegelseitig
Abdrucke der Transitstempel "GOERLITZ 1/10" - "BERLIN - BRESLAU II R 1/10" - "BERLIN-HAMBURG I T 2/l0" - "HAMBURG 2/10 5-5" und "K.D.O.P.A.HAMBURG 2/10 6-7".
Der Brief wurde vom Kgl. Preußischen Postamt in HAMBURG dem Kgl. Dänischen Oberpostamt HAMBURG weitergegeben. Durch das Kgl. Dänische Oberpostamt HAMBURG wurde überdies der blaue Kastenstempel "AUS DEM POSTVEREIN" angebracht. Der Herkunftstempel "AUS SACHSEN" wurde durch die Kgl. Preußische Postverwaltung bei der Übernahme von der Kgl. Sächsischen Postverwaltung in GOERLITZ angebracht.

Vertragsgrundlagen:
Die einschlägigen Taxbestimmungen finden sich in der Verordnung Nr. 811 vom 27. V. 1851. "Die Portotaxe für die Correspondenz nach und aus Dänemark betreffend".

Portoberechnung:
Der dänische Adressat hatte am Bestimmungsort in dänischer Valuta 26 Rigsbank - Skilling (siehe den Taxvermerk "26") als Gesamtportogebühren zu entrichten. 26 Skilling waren das Äquivalent für 6 Ngr. Gesamtporto für Briefe von Sachsen nach Dänemark. Diese setzten sich zusammen aus einem vereinsländischen Portoanteil von 3 Ngr. und einem internen dänischen Portoanteil von ebenfalls 3 Ngr

Taxierungsfehler und deren Rückvergütung:
Fälschlich wurde der vorliegende Brief zunächst mit der innervereinsländischen Gebühr für Portobriefe (4 Sgr.) taxiert, obwohl für außervereinsländische Auslandsbriefe nur 3 Sgr. vereinsländisches Porto zu berechnen war. Ein Zuschlagsporto von 1 Sgr. für unfrankierte Briefe war in diesem Falle nicht zu erheben. Die Taxziffer "4" wurde daher gestrichen und durch die Taxziffer "3" berichtigt. Außerdem befindet sich für die Rückrechnung (Gutschrift) der zunächst zugunsten der Kgl. Preußische Postverwaltung zu hoch angesetzten und gebuchten Taxe ein Vermerk "1 ret." (1 Sgr. retour) auf der Adressseite.
Die Verwendung des Stempels "AUS DEM POSTVEREIN"
beim Kgl. Dänischen Oberpostamt in HAMBURG:

Diese dürfte auf den Zeitraum zwischen dem Wirksamwerden der Bestimmungen des Deutsch - Österreichischen Postvereinsvertrages (l. VII. 1850) und dem Beitritt der Hansestadt HAMBURG zum Deutsch - Österreichischen Postverein (l. I. 1852) beschränkt sein. Wahrscheinlich ist jedoch seine Verwendungszeit noch erheblich kürzer anzusetzen, denn Dänemark hatte erst während des Jahres 1851 Verträge mit den Postverwaltungen von Preußen, Thurn & Taxis, Hannover und Mecklenburg abgeschlossen, in denen zwischen Briefen aus den Vertragsländern und solchen, die aus anderen Postverwaltungen stammend, durch die Postanstalten der genannten Postverwaltungen im Transit befördert wurden, unterschieden wurde. Wegen der Portoberechnungen war demnach ein Bedürfnis gegeben, die aus den Postverwaltungen des Deutsch - Österreichischen Postvereines resortierenden Briefe besonders zu kennzeichnen. Für das Kgl. Dänische Oberpostamt in HAMBURG wurde diese Unterscheidung durch die Anbringung des Stempels "AUS DEM POSTVEREIN" vorgenommen. Nach dem Beitritt HAMBURGS zum Postverein entfiel das bis dahin gegebene Unterscheidungsinteresse.