Forschungsgemeinschaft Sachsen e.V.




Der Brief des Monats September-Oktober 2003

Der Expressbrief ohne Vorauszahlung
nach der neuen sächsischen Postordnung vom 01. Juli 1859.


Einfacher Expressbrief ohne Recommandation




Beförderung: PIRNA 8./VI 5 64", über WURZEN I. S. 9/VI 64 VII (auf Rückseite) nach OSCHATZ 9/VI IX 64 auf den sächs. Bahnpoststrecken BODENBACH-DRESDEN und DRESDEN-LEIPZIG. Aus der Beförderung mit der Bahnpost lassen sich ausserordentlich interessante Schlussfolgerungen ziehen. Besonders wichtig hierfür sind die seinerzeitigen Zug -Fahrpläne dieser Speditionstrecken.

Beförderung: PIRNA vom 8. Juni 1864 nach WELLERSWALDE im Landbestellbezirk des Postamtes OSCHATZ

Die Zustellung durch expressen Boten innerhalb des Landbestellbezirkes von OSCHATZ nach WELLERSWALDE erfolgte ausserhalb der regulären Botengänge gegen Sondergebühren, die durch den Adressaten zu entrichten waren.

Gewicht: < 1 Loth = einfaches Porto bis 1 Loth incl.
Entfernung: 9 Meilen = 2 Rayon über 5 Meilen

Porto:1 Ngr. bezahlt

Zustellgebührenberechnung: Quittungsgebühr = 6/10 Ngr. da in den Landbestellbezirk
für die Besorgung des Botens = 3 Ngr.
Botenlohn = 2 5/10 Ngr. Entfernungsabhängig
Vom Empfänger zu zahlen = 6 1/10 Ngr.

Höhe des Botenlohnes richtete sich der Entfernung von der bestellenden Postanstalt.

Die Zustellgebühren waren rund sechsmal so hoch wie das Briefporto

Mit der Verordnung Nr. 2448 vom 17. IX. 1864, "Die Bestell-, Quittungs- und Scheingebühren für Postsendungen betreffend' wurden die Quittungsgebühren von 6/10 Ngr. auf 5/10 Ngr. herabgesetzt. Die Gebühren für die "Besorgung des Botens" entfielen von diesem Zeitpunkt an gänzlich.

Analyse der Beförderung mit den verschiedenen Zügen. Dieser Weg musste genommen werden, um die denkbar schnellste Zusstellung zu erreichen:

Die Aufgabe zur Post in PIRNA erfolgte am 8. VI. 1864 um 5 Uhr nachmittags (arabische Ziffer "5") und der nächste verfügbare Zug auf der Strecke BODENBACH -DRESDEN verliess PIRNA um 8 Uhr abends.

Ankunft DRESDEN um 8 Uhr 45 Min. abends.

Die nächste Weiterbeförderungsmöglichkeit nach OSCHATZ bestand am nächsten Morgen (9. VI. 1864) um 4 Uhr 15 Min. früh auf der Eisenbahnstrecke DRESDEN -LEIPZIG.

Der Schnellzug Nr. VII von 4 Uhr 15 Min. hielt jedoch nicht an dem zu OSCHATZ gehörigen Bahnhof ZSCHÖLLAU, weswegen der Brief auf der gleichen Strecke bis zum nächsten Haltepunkt in WURZEN weiterbefördert werden musste.

Ankunft WURZEN lt. Fahrplan um 6 Uhr früh.

Bereits um 6 Uhr 20 Min. wurde er in entgegengesetzter Richtung (LEIPZIG - DRESDEN) mit dem Zug Nr. I (Personenzug) von WURZEN nach OSCHATZ zurückbefördert.

Ankunft OSCHATZ (ZSCHÖLLAU) um 7 Uhr früh.

Die Uhrzeitangaben in den Stempeln von WURZEN (7 Uhr früh) und von OSCHATZ (9 Uhr früh) stimmen mit der beschriebenen Zugbeförderung überein.